Bogen bauen

Bogenbau: Pfeil und Bogen selber bauen

Pfeil und Bogen selber bauen

Pfeil und Bogen: Infos & Anleitung um Holzbogen selbst zu bauen

Bevor die eigentliche Anleitung für den Bau eines eigenen Holzbogens beginnt, soll zunächst ein wenig auf Allgemeinwissen zum Thema Pfeil und Bogen und Bogenbau sowie auf wichtige Fachbegriffe und Bezeichnungen aus diesem Bereich eingegangen werden, ohne dabei zu sehr in die Tiefe zu gehen.

In der folgenden Zeichnung ist der Aufbau eines Pfeil und Bogens mit dessen wichtigsten Komponenten zu sehen:


Bogenbau

Begriffe im Bogenbau und Bogensport

Weitere wichtige Begriffe, die nicht aus der Zeichnung entnommen werden können, aber im Bogenbau eine Rolle spielen und für die folgende Anleitung, wie man einen Pfeil und Bogen baut, bekannt sein sollten, gehen aus folgender Übersicht hervor:

Auszug Länge, um die der Bogen ausgezogen wird, abhängig von persönlichen Faktoren wie Körpergröße und Schusstechnik.
ZuggewichtKraft, die zum Ausziehen des Bogens aufgebracht werden muss. Sie nimmt in aller Regel zu, je weiter der Bogen ausgezogen ist. Sie muss ebenfalls an die persönlichen Eigenschaften angepasst sein und darf weder zu stark noch zu schwach sein.
Bogenprofil Bogenprofil ist die Seitenansicht des Bogens, die sich im nicht gespannten Zustand ergibt.
Wurfarmmasse Bezüglich der Masse und Massenverteilung an den Wurfarmen ist besonders die Masse relevant, die sich in Richtung der beiden Enden des Bogens befindet. Durch geeignete konstruktive Maßnahmen sollte diese möglichst reduziert werden.
Stave Unter Stave versteht man das noch nicht fertig gestellte Holzstück, aus dem man den Bogen bauen möchte.
Tillern Tillern ist der Prozess beim Bogenbau, bei der Form und Eigenschaften des Bogens so bearbeitet werden, dass sich der Bogen beim Ausziehen gleichmäßig biegt.
Stringfollow Stringfollow ist das Prinzip, dass sich das Holz durch eine Stauchung am Bogenbauch in Folge zu hoher Belastung dauerhaft verformt.
Set Anderer Begriff für Stringfollow.
Reflex Ein Reflex-Bogen besitzt im entspannten Zustand eine Biegung, die der Biegung im gespannten Zustand entgegengesetzt ist. Dadurch wird das Anfangszuggewicht erhöht.
Deflex Ein Deflex-Bogen ist auch im entspannten Zustand bereits leicht in die Richtung gebogen, in die der Bogen bei gespannter Sehne gebogen ist.
Stacking Prinzip, dass der Bogen am Ende des Auszugs nahezu sprunghaft schwerer auszuziehen ist. Grund für dieses Prinzip ist der steigende Sehnenwinkel verbunden mit der schon bestehenden Spannung des Holzes.
Handschock Bei einem Handschock wird nicht die gesamte Energie des Bogens auf den Pfeil übertragen, sondern teilweise auf die Hand. Er tritt besonders bei Bögen auf, die keinen steifen Griff haben und ist schädlich für das Handgelenk.

Kennzeichen eines guten Bogens

Eines der wichtigsten Merkmale beim Bau eines Bogens ist die Pfeilgeschwindigkeit, die mit einem Pfeil und Bogen erzielt werden kann. Sie ist ein Maß für die Leistungsfähigkeit des Bogens. Die Pfeilgeschwindigkeit wird durch folgende Faktoren bestimmt: Das Zuggewicht, der Auszug, die Standhöhe, das Bogenprofil, die Wurfarmmasse sowie die Massenverteilung am Bogen, die Bogenlänge, das Gewicht der Sehne und die Dehnung der Sehne.

Um mit dem Pfeil und Bogen ein Optimum an Leistung zu erzielen, sollte das Zuggewicht am Ende des Auszugs der maximal aufbringbaren Kraft des Bogenschützen entsprechen. Wichtig ist dabei, dass über den gesamten Auszug die Zugkraft möglichst konstant sein sollte. Dies kann beim Bogenbau durch das Bogenprofil sowie die Bogenlänge beeinflusst werden. Der Auszug sollte außerdem dem Bogenschützen entsprechend möglichst groß sein, um die maximale Energie in den Pfeil zu bekommen.

Damit der Pfeil und Bogen über einen möglichst großen Auszug verfügt, sollte die Standhöhe so gering wie möglich sein. Das Gewicht der Wurfarme sollte, besonders an den Wurfarmenden, ebenfalls gering sein, weil beim Zurückfedern der Wurfarme sonst zu viel Energie für die Beschleunigung der Wurfarme selbst verloren geht. Allerdings brauchen die Wurfarme genug Masse, um der Zugkraft Stand halten zu können und keinen Stringfollow zu erleiden (s. Fachbegriffe).
Wichtig zu wissen ist in diesem Zusammenhang, dass bei Wurfarmen eine doppelte Breite dazu führt, dass sie einer doppelt so hohen Zugkraft ausgesetzt werden können. Eine doppelte Dicke der Zugarme dagegen hat zur Folge, dass der Pfeil und Bogen dem 8-fachen Zuggewicht widerstehen kann. Auf diese Weise kann natürlich Gewicht am Bogen eingespart werden, was jedoch auf Kosten der Flexibilität gelingt. Deshalb muss hier beim Bogenbau das richtige Gleichgewicht gefunden werden.

Auch die Sehen sollte möglichst leicht sein, gleichzeitig aber stabil und möglichst wenig dehnbar sein. Die optimale Länge eines Bogens wird dadurch bestimmt, dass er mehr Energie speichern kann, je länger er ist. Ab einer bestimmten Länge kann der Bogen diese durch das Massenträgheitsmoment der Wurfarme jedoch nicht mehr schnell genug an den Pfeil abgeben, sodass die Energie schließlich nicht auf den Pfeil, sondern auf die Hand übertragen wird.
Der Bogen sollte daher idealerweise eine Länge zwischen 160 cm und 175 cm haben, wie es auch in der folgenden Anleitung beschriebene sein wird.

Ein guter Bogen zeichnet sich jedoch nicht nur durch eine hohe Pfeilgeschwindigkeit aus, sondern es gibt noch weitere Einflüsse und Faktoren, die man vor dem Bau eines Bogens bedenken sollte. Man sollte sich beim Bogenbau nämlich auch darüber im Klaren sein, wie viel Wert man auf Genauigkeit, bequemes Ziehen und Lösen, Dauerhaftigkeit und eine einfache Bauweise legt.

Bogenprofil und Bogenarten

Es gibt 3 Bogenarten, die den traditionellen Bogenbau besonders geprägt haben:

  • Der englische Langbogen
  • Der amerikanische Langbogen (Flachbogen)
  • Der asiatische Recurve & Komposit Bogen

Der englische Langbogen ist relativ einfach in seiner Bauweise. Er wird aus einem geraden Stave hergestellt, hat im gespannten Zustand die Form eines D und hat in der Regel kein besonders auffälliges Griffstück.

Der amerikanische Flachbogen ist dagegen bereits ein wenig aufwendiger zu bauen. Er hat flache, breite Wurfarme und ein dickes Griffstück. Er wird aber normalerweise ebenfalls aus einem geraden Stave hergestellt.

Schließlich gibt es noch den Recurve-Bogen, der in der Vergangenheit hauptsächlich in Asien zum Einsatz kam. Ein Recurve-Bogen besteht aus mehreren zusammengefügten Holz- oder Hornteilen, sodass es möglich ist, dem Bogen eine optimale Form zu geben. Dadurch können die Bogenenden nach vorne gebogen sein, was den Vorteil mit sich bringt, dass die Zugkraftverteilung über den Auszug gleichmäßiger als bei herkömmlichen Bogenarten ist. Das gelingt durch den geringeren Hebelarm, der zu Beginn des Auszugs am Bogen zur Verfügung steht, da die effektiven Wurfarme anfangs kürzer sind als am Ende.

Der Komposit-Bogen ist eine Unterkategorie des Recurve-Bogen und nicht mit dem modernen Compound-Bogen zu verwechseln, der aus Kunststoffen hergestellt wird. Der Komposit-Bogen ist im entspannten Zustand D-förmig nach vorne gebogen und an seinen Enden sind nochmals nach vorne abgewinkelte Recurves angebracht. Somit ist der Bogen auch bei geringer Standhöhe schon einer großen Spannung ausgesetzt, was ebenfalls zu einem hohen Anfangszuggewicht führt.
Der Bau eines Recurve-Bogen ist jedoch deutlich schwerer. Es ist Anfängern also nicht unbedingt zu empfehlen, als erstes Bogenbau-Projekt einen solchen Bogen selber zu bauen.

Welche Bogenart eignet sich zum selber basteln?

In der folgenden Anleitung sollen zwei Wege beschrieben werden einen Bogen zu basteln. Zum einen soll der Bau eines einfach zu bauenden Bogens beschrieben werden, den man innerhalb von wenigen Tagen bauen kann. Darüber hinaus wird eine Beschreibung zu finden sein, wie man einen etwas professionelleren Bogen bauen kann. Dabei soll ein Bogen beschrieben werden, der einerseits nicht zu schwer zu bauen ist, wie ein Recurve-Bogen, der aber andererseits sehr gute Leistungen erzielen kann und somit effizient ist. Und schließlich soll beim Bogenbau Holz aus europäischen Wäldern verwendet werden können.

Der in der Bauanleitung beschriebene Bogen ist somit ein Gemisch aus dem englischen und dem amerikanischen Langbogen. Selbst Anfänger können beim Bau dieses Bogens schon ordentliche Ergebnisse erzielen.

Wer sich damit jedoch nicht zufrieden geben will, weil er entweder einen sehr professionellen Bogen bauen oder einen bestimmten historischen Bogen bauen will, der sollte auf die hier empfohlene Literatur zurückgreifen, wie etwa die Bücherreihe "Bibel des Traditionellen Bogenbaus". In diesem letztgenannten Werk ist wahrscheinlich so viel Expertenwissen über den Pfeil und Bogen und Bogenbau vereint, wie in kaum einem anderen Werk. Aber auch das Buch "Handbuch für traditionelle Bogenschützen" bietet in einer etwas kürzeren Form einen guten Einblick in den Bau traditioneller Bögen mit Anleitungen und Tipps für den Bau einfacher, aber auch historischer Bögen.


Um nun dem Thema Bogenbau etwas näher zu kommen: In der folgenden Anleitung wird die Anwendung verschiedener Werkzeuge beschrieben, von denen einige gängig sind und die in der Regel zu Hause vorrätig sind, andere sind dagegen speziell für den Bau eines Pfeil und Bogens geeignet. Eine Zusammenfassung der Werkzeuge und mögliche Alternativen, aber auch Materialien, die für den Bogenbau notwendig ist, befinden sich unter dem Navigationspunkt "Werkzeug & Material".

Nun, dann soll im nächsten Schritt also gezeigt werden, wie der Bau eines Bogens gelingen kann.

Hier geht's zur Bauanleitung für Bogen