Pfeil und Bogen
Bogenbau
Pfeil und Bogen selber bauen

Bogenbau: Pfeil und Bogen selber bauen



Bevor ich mit der Anleitung beginne, wie man einen guten Pfeil und Bogen bauen kann, möchte ich ein wenig auf Allgemeinwissen und ein paar Fachbegriffe zum Thema Pfeil und Bogen eingehen - keine Angst, ich will Sie jetzt nicht mit bedeutenden geschichtlichen Daten einschläfern, aber ohne das folgende Wissen werden Sie wohl beim Bogenbau einige Probleme bekommen.


In der folgenden Zeichnung sehen Sie den Aufbau eines Pfeil und Bogens:

Bogenbau

Kennzeichen eines guten Bogens


Eines der wichtigsten Merkmale beim Bau eines guten Bogens ist die Pfeilgeschwindigkeit, da sie fü die Leistung steht, die mit einem Pfeil und Bogen erzielt werden kann. Die Pfeilgeschwindigkeit wird durch folgende Faktoren bestimmt: Das Zuggewicht, der Auszug, die Standhöhe, das Bogenprofil, die Wurfarmmasse, die Massenverteilung, die Bogenlänge, das Gewicht der Sehne und die Dehnung der Sehne.

Um mit dem Pfeil und Bogen ein Optimum an Leistung zu erzielen sollte das Zuggewicht am Ende des Auszugs gerade so hoch sein, dass man es selbst eben noch ziehen kann. Der Auszug sollte möglichst groß sein, aber vor allem sollte während des gesamten Auszugs die Zugkraft möglichst gleich sein. Dies kann beim Bogenbau durch das Bogenprofil beeinflusst werden, also die Form des Bogens von der Seite betrachtet.
Um beim Pfeil und Bogen einen möglichst großen Auszug zu erhalten sollte die Standhöhe möglichst gering sein. Das Gewicht der Wurfarme sollte, besonders an den Wurfarmenden, am besten ebenfalls gering sein, weil beim Zurückfedern der Wurfarme sonst zu viel Energie für die Beschleunigung der Wurfarme selbst verloren geht. Allerdings brauchen die Wurfarme genug Masse, um der Zugkraft Stand halten zu können und keinen Stringfollow zu erleiden (s. Fachbegriffe). Wichtig zu wissen ist in diesem Zusammenhang, dass bei Wurfarmen eine doppelte Breite dazu führt, dass sie einer doppelt so hohen Zugkraft ausgesetzt werden können. Eine doppelte Dicke der Zugarme dagegen hat zur Folge, dass der Pfeil und Bogen dem 8-fachen Zuggewicht widerstehen kann. Auf diese Weise kann natürlich Gewicht am Bogen eingespart werden, dies geht jedoch auf Kosten der Flexibilität. Deshalb muss hier beim Bogenbau das richtige Gleichgewicht gefunden werden.
Auch die Sehen sollte möglichst leicht sein, gleichzeitig stabil und möglichst nicht dehnbar sein. Die optimale Länge eines Bogens wird dadurch bestimmt, dass er mehr Energie speichern kann, je länger er ist, ab einer bestimmten Länge kann der Pfeil und Bogen diese durch das Gewicht der Wurfarme jedoch nicht mehr schnell genug an den Pfeil abgeben, sodass die Energie auf die Hand übertragen wird. Der Bogen sollte daher optimalerweise, wie auch der in der Anleitung beschriebene Pfeil und Bogen, eine Länge zwischen 160 cm und 175 cm haben.

Ein guter Bogen zeichnet sich jedoch nicht nur durch eine hohe Pfeilgeschwindigkeit aus, sondern es gibt noch weitere Einflüsse und Faktoren, die man vor dem Bau eines Bogens bedenken sollte. Denn neben der Pfeilgeschwindigkeit sollte man sich beim Bogenbau darüber Gedanken machen, wie viel Wert man auf Genauigkeit, bequemes Ziehen und Lösen, Dauerhaftigkeit und besonders einfache Bauweise legt.





Bogenprofil und Bogenarten


Es gibt 3 Bogenarten, die den traditionellen Bogenbau besonders geprägt haben:
  • Der englische Langbogen
  • Der amerikanische Langbogen (Flachbogen)
  • Der asiatische Recurve & Komposit Bogen

Der englische Langbogen ist relativ einfach in der Bauweise, er wird aus einem geraden Stave hergestellt, hat im gespannten Zustand die Form eines D und hat in der Regel kein besonders auffälliges Griffstück.

Der amerikanische Flachbogen ist schon ein wenig aufwendiger zu bauen. Er hat flache und breite Wurfarme, er hat ein dickes Griffstück, wird aber normalerweise ebenfalls aus einem geraden Stave hergestellt.

Schließlich gibt es noch den Recurve-Bogen, der in der Vergangenheit hauptsächlich in Asien zum Einsatz kam. Ein Recurve-Bogen besteht aus mehreren zusammengefügten Holz- oder Hornteilen, sodass es möglich ist, dem Bogen eine optimale Form zu geben. Dadurch können die Bogenenden nach vorne gebogen sein. Somit muss man am Anfang des Auszugs schon mehr Kraft aufwenden, da die Wurfarme kürzer und somit die Hebelkraft geringer ist. Mit größerem Auszug werden die Wurfarme jedoch immer länger, sodass die Hebelkraft immer größer wird und man es schafft, den Bogen trotz hohem Anfangszuggewicht weit auszuziehen. Der Komposit-Bogen ist eine Unterkategorie des Recurve-Bogen und nicht mit dem modernen Compound-Bogen zu verwechseln, der aus Kunststoffen hergestellt wird. Der Komposit-Bogen ist im entspannten Zustand D-förmig nach vorne gebogen und an seinen Enden sind nochmals nach vorne abgewinkelte Recurves angebracht. Somit ist der Bogen auch bei geringer Standhöhe schon einer großen Spannung ausgesetzt, was zu einem hohen Anfangszuggewicht führt. Der Bau eines Recurve-Bogen ist jedoch sehr schwer und und es ist Anfängern nicht zu empfehlen, diesen Bogen selber zu bauen.

Welche Art von Bogen sollte man bauen?


Ich möchte in der Anleitung zwei Wege beschreiben, wie man einen Bogen bauen kann. Das ist zum einen ein einfach zu bauender Bogen aus einem passenden Ast, den man innerhalb von wenigen Tagen bauen kann. Doch Sie werden in der Anleitung auch erfahren, wie man einen professionellen Bogen bauen kann. Es soll ein Bogen beschrieben werden, der einerseits nicht zu schwer zu bauen ist, wie ein Recurve-Bogen, der aber sehr gute Leistungen erzielen kann, somit also sehr effizient ist. Und schließlich soll beim Bogenbau Holz aus europäischer Wälder verwendet werden können.

Der in der Bauanleitung beschriebene Bogen ist somit ein Gemisch aus dem englischen und dem amerikanischen Langbogen und selbst Anfängern können beim Bau dieses Bogens schon ordentliche Ergebnisse erzielt.

Wer sich damit jedoch nicht zufrieden geben will, weil er entweder absolut professionelle Bogen bauen oder einen bestimmten historischen Bogen bauen will, der sollte auf eine Bücherreihe "Bibel des Traditionellen Bogenbaus" zurückgreifen, da wohl in keinem anderen Werk über Pfeil und Bogen und Bogenbau so viel Expertenwissen zusammengefasst wurde wie hier.

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Praktisches Handbuch für Traditionelle Bogenschützen
von Hilary Greenland

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Weitere Infos

Doch zurück zur Anleitung, wie man einen Pfeil und Bogen selber bauen kann. Bevor es losgehen kann, möchte ich ihnen noch ein paar Fachbegriffe für die folgende Anleitung auf den Weg geben:


Fachbegriffe


Stave: Unter Stave versteht man das noch nicht fertig gestellte Holzstück, aus dem man den Bogen bauen möchte.
Tillern: Das ist der Prozess beim Bogenbau, bei der die Form des Bogens so bearbeitet wird, dass er sich bei dem Ziel-Zuggewicht richtig biegt.
Stringfollow: Stringfollow ist das Prinzip, dass sich das Holz durch eine Stauchung am Bogenbauch in Folge zu hoher Belastung dauerhaft verformt.
Set: Anderer Begriff für Stringfollow.
Zuggewicht: Dabei handelt es sich um die Gewichtskraft, mit der man den Bogen auszieht.
Reflex: Ein Reflex-Bogen besitzt im entspannten Zustand eine Biegung, die entgegengesetzt zu der Biegung im gespannten Zustand verläuft. Dadurch wird das Anfangszuggewicht erhöht.
Deflex: Ein Deflex-Bogen ist auch im entspannten Zustand bereits leicht in die Richtung gebogen, in die der Bogen bei gespannter Sehne gebogen ist.
Stacking: Prinzip, dass der Bogen am Ende des Auszugs sprunghaft schwerer auszuziehen ist. Grund für dieses Prinzip ist der steigende Sehnenwinkel verbunden mit der schon bestehenden Spannung des Holzes.
Handschock: Bei einem Handschock wird nicht die gesamte Energie des Bogens auf den Pfeil übertragen, sondern teilweise auch auf die Hand. Er tritt besonders bei Bögen auf, die keinen steifen Griff haben und ist schädlich für das Handgelenk.

Um nun langsam zum Thema Bogenbau zu gelangen: In der folgenden Anleitung werden Sie es mit bestimmten Werkzeugen zu tun haben, manche sind absolut gängig und hat man in der Regel bereits zu Hause, andere sind speziell für den Bau eines Pfeil und Bogen geeignet. Eine Zusammenfassung der Werkzeuge und mögliche Alternativen, aber auch Material, das für den Bogenbau notwendig ist, finden Sie auf der Seite "Werkzeug & Material".

Nun, dann wollen wir uns doch mal ansehen, wie der Bau eines Bogens also funktioniert.

Hier geht's zur Bauanleitung für Bogen



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